Für den Gleisbau braucht man unter anderem Unmengen von Hakenschrauben, zumindest wenn man wie wir K-Oberbau hat. Gebrauchte Schrauben in guter Qualität sind auf dem Markt kaum zu bekommen, der Preisunterschied zu neuen Schrauben ist eher gering, weshalb wir in der Regel auf Neuware zurückgreifen müssen.
Als wir aber vor einiger Zeit mal eine Fuhre Kleineisenschrott kauften, um daraus die Kpo auszusortieren, waren diese nach dem maschinellen Ausbau noch mit Schraube, Mutter und Federring versehen, d.h. wir mußten sie erst einmal zerlegen. Die Kpo und die Federringe konnten nach einer visuellen/akustischen Rißprüfung gleich wieder verwendet werden, die Schrauben und Muttern, deren Gewinde zum Teil schon sehr verrostet und entsprechend schwergängig waren, sortierten wir fürs erste mal aus.
Erste Versuche, die Schrauben mit der Drahtbürste zu entrosten,
ebenso die Mutter, zu fetten und dann mal die Mutter aufzuschrauben, waren
recht vielversprechend, 90% der Schrauben liefen danach wieder
einwandfrei. Nur die Arbeitsgeschwindigkeit war recht niedrig, die Bürsterei
mühsam und kräfteraubend.
Hier mußte eine einfachere Lösung gefunden werden, naheliegend
war, die Schraube in die Bohrmaschine einzuspannen und in der Rotation zu
bürsten.
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Nur, wie spannt man so etwas in eine Bohmaschiene.
Lange haben wir uns den Kopf zerbrochen, es musste etwas einfaches,
robustes und schnell zu spannendes sein, gleichzeitig sicher, damit die
rotierende Schrauben nicht wegfliegen kann. Ferner dürfen keine Haken, Schrauben, Hebel o.ä. hervorstehen, damit man nicht an den rotierenden Teilen hängen bleiben kann. |
An was dachten wir nicht alles, auch magnetische
Halterungen. Heraus kam dann zum Schluß dieses extrem einfach konstruierte Teil. Eine abgeschnittene Rippe einer Rippenplatte, ein Loch mit Gewinde und ein Spanndorn. |
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Der Dorn wird in der Ständerbohrmaschine eingespannt.... |
... die Hakenschraube eingeschoben und durch Drehen gegen den Dorn gespannt. | ![]() |
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Einschalten und die Schraube dreht sich.... |
... und wird mittels einer handelsüblichen Stahlbürste
abgebürstet. Übrigens, die Schraube dreht sich nicht sehr schnell, nur mit ca. 200 Umdrehungen/Minute. |
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Anschließen werden die Muttern mit dieser kleinen Bürste innen gebürstet. |
Dann das Gewinde fetten und die Mutter von Hand aufschrauben, wenn sie mindestens bis hier sauber läuft, ist die Schraube auf der Baustelle einsetzbar. | ![]() |
Daß die Schraube sicher eingespannt ist, hat die Praxis erwiesen. Von den bisher damit gespannten Schrauben ist keine einzige unkontrolliert aus der Halterung gerutscht, auch nicht unter Belastung. Durch die Rotation spannt sich sich unter Belastung nur noch fester.
Wichtig bei der Aufarbeitung der Schrauben ist, daß man die Muttern und Schrauben immer zusammen lässt, da sie aufeinander eingearbeitet sind. Sollten sich die Gewinde durch die Belastung geringfügig verzogen haben, würden diese bei anderen Schrauben klemmen.
Die Technik des Entrostens hat sich bewährt, über 95% der Schrauben laufen nach dieser Behandlung wieder einwandfrei, und auch die Produktivität ist bedeutend höher als bei den bisherigen Versuchen.
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Die fertig aufgearbeiten Schrauben werden in einer Stahlbox zwischengelagert, die erste hier ist schon voll. |
Um diese Box zu füllen, haben wir etwas über
4 Wochen gebraucht. Dabei ist das Schrauben aufarbeiten nur so eine
nebenher Tätigkeit, die man macht, wenn man z.B. Samstag morgens
als Erster kommt, bis dann die Kollegen eintreffen und das eigentliche
Arbeitsprogramm des Tages beginnt. Oder wenn man Abends, nach getaner Arbeit, noch Lust hat, ein Stündchen dran zu hängen. |
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Aber es gibt noch genug Arbeitsvorrat, die oberste Box dieses Stapels ist inzwischen leer, die Schrauben in den beiden unteren harren noch der Aufarbeitung. |